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Geschlechterdemokratie

Geschlechterdemokratie ist ein politischer Ansatz, um Geschlechtergleichstellung umzusetzen: Alle Geschlechter sollen gleiche Möglichkeiten auf gesellschaftliche und politische Teilhabe und Repräsentation haben. So wird ein demokratisches Geschlechterverhältnis aufgebaut.

Antifeministische Akteur*innen versuchen dieser Entwicklung und dem dahinterstehenden Ansatz entgegenzuwirken, indem sie einzelnen Personengruppen ihre Existenz (z.B. trans* Personen) oder gesellschaftliches Mitspracherecht absprechen oder fordern, Wahlrechte einzuschränken.

Beschreibung

USA in den 1970ern: Phyllis Schlafly ist eine zentrale konservative, antifeministische Aktivistin im Kampf gegen die Durchsetzung des Equal Rights Amendment (ERA). Das ERA ist ein Verfassungszusatz, der die Gleichstellung von Frauen und Männern gesetzlich in den USA festschreiben soll. Schlafly wird dabei begleitet, wie sie das Konstrukt der traditionellen, heteronormativen (weißen) Familie beschützen will. Darüberhinaus arbeitet sie gegen Schwangerschaftsabbrüche und gleichgeschlechtliche Ehen und verstrickt sich dabei in Widersprüche: Inwieweit kann eine politische Lobbyistin, die zwar Mehrfachmutter ist, die Care-Arbeit selbst aber nicht erledigt, Repräsentantin für traditionelle Hausfrauen sein? Wird Schlafly von ihren männlichen Kollegen ernstgenommen? Ihre politisch-aktivistischen Gegnerinnen machen ihr außerdem das Leben schwer: Die Feministinnen der 2. Welle, wie Shirley Chisholm, die erste Schwarze Präsidentschaftskandidatin bei den Demokraten 1972, Gloria Steinem, Betty Friedan, Bella Abzug und Jill Ruckelshaus.

Die historische Miniserie illustriert zum Großteil wahre Gegebenheiten.

Antifeminismus: antimoderne Brückenideologie und politische Restauration - Heinrich-Böll-Stiftung

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Beschreibung

Seit 2002 analysieren Wissenschaftler*innen der Universität Leipzig die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Sie gehen Fragen nach wie: Haben sich rechtsextreme und autoritäre Einstellungen in Deutschland verändert? Nimmt der Rassismus weiter ab? Und wie stehen die Deutschen zur Demokratie? Seit 2020 wird auch untersucht, welche Rolle antifeministische und sexistische Einstellungen, Ressentiments und Haltungen dabei spielen und wie Antifeminismus als antimoderne Brückenideologie fungiert.

Einstellungen sind weit in der gesamten Gesellschaft verbreitet, wie die Untersuchung im Jahr 2020 deutlich zeigte und was sich mit der aktuellen Studie nochmals bestätigt. Nicht selten gehen diese Einstellungen einher mit anderen Ressentiments wie etwa Homo- und Transfeindlichkeit und zeigen sich eng verwoben mit einem traditionellen Männlichkeitsbild und einer dogmatisch-fundamentalistischen Religiosität. Die aktuelle Studie weist deutlich darauf hin, dass Antifeminismus nicht harmlos ist. Denn damit einher gehen Einschüchterungsversuche gegen Schwangerschaftsabbrüche, Proteste gegen Angebote zur sexuellen Bildung an Schulen und konkrete Anfeindungen von Feminist*innen und Frauen auf der Straße bis hin zu rechtem Terror. Antifeministische Haltungen dienen so - und das ist ein wichtiger Unterschied zu traditionellem Sexismus - als politische Grenzziehung und zur antimodernen Mobilisierung gegen egalitäre Geschlechterverhältnisse.

Auf der Veranstaltung am 23. November 2022 präsentierten Fiona Kalkstein und Gert Pickel die Ergebnisse der diesjährigen Leipziger Autoritarismusstudie (LAS). Die klare Botschaft ist: antifeministische Einstellungen haben deutlich weiter zugenommen.

Jeder dritte Mann und jede fünfte Frau in Deutschland haben ein geschlossen antifeministisches oder sexistisches Weltbild. Im Mittel stimmen ein Viertel aller Befragten antifeministischen Aussagen zu. 27 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich Frauen, „die mit ihren Forderungen zu weit gehen, sich nicht wundern müssen, wenn sie wieder in ihre Schranken gewiesen werden“. Vor allem die Aussage „Schilderungen zu sexualisierter Gewalt seien häufig übertrieben“ findet hohe Zustimmung. Eine gestiegene Zustimmung erfährt auch die antifeministische Erzählung, dass „durch Feminismus die gesellschaftliche Harmonie und Ordnung gestört“ wird. Damit ist dieses Narrativ gleichzeitig anschlussfähig an autoritäre Dynamiken, die ebenfalls gestiegen sind.

Auch sexistische Einstellungen sind wieder auf dem Vormarsch. Während sie zwischen 2006 und 2020 rückläufig waren, findet sich nun wieder stärkere Zustimmung zu sexistischen Aussagen. Jede*r fünfte Befragte*r meint, dass sich „Frauen wieder mehr auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen sollten“ und die Aussage, dass „Frauen sich in der Politik häufig lächerlich machen“ ist um acht Prozent auf 23 Prozent gestiegen. Vor allem die Befürwortung klassischer Familienkonstellationen, in welcher die Frau auf ihre Rolle als Mutter und Ehefrau reduziert wird, hat wieder zugenommen.



Hohe Zustimmungswerte lassen sich zum erstmalig abgefragten „gewaltbezogenen Männlichkeitsideal“, als auch zu einer Veränderung in Gewaltbereitschaft sowie –Akzeptanz finden. Mehr als die Hälfte der Befragten sind der Auffassung, dass der „Mann immer noch die Verantwortung als Ernährer seiner Familie“ tragen sollte (Ost: 63,7 Prozent/ West: 47,0 Prozent). Mehr als 33 Prozent sind der Meinung, dass „Männer einen rationaleren Blick auf Dinge haben als Frauen“, 21 Prozent stimmen zu „ein Mann sollte bereit sein, sich gegen Beleidigungen mit Gewalt zu wehren“ und fast 35 Prozent befürworten Gewalt, um „Frau und Kinder zu verteidigen“.