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Diversität/Vielfalt

Unter den Begriffen Diversität oder Vielfalt wird versucht, viele verschiedene Lebensrealitäten und -Konzepte sichtbar zu machen. Das bedeutet in Bezug auf Geschlecht und Sexualität z. B., dass nicht nur heteronormative Bilder von Männern und Frauen in konservativen Geschlechterrollen gesellschaftlich repräsentiert werden, sondern auch homosexuelle, trans*, inter*, nichtbinäre, polyamouröse und weitere Lebensrealitäten sichtbar werden. Aber auch in Bezug auf Repräsentationen von Religionszugehörigkeit, Hautfarbe, Körper, sozialer oder ethnischer Herkunft, usw. wird von Diversität und Vielfalt gesprochen. Diversität und deren Repräsentationen sind Feindbilder innerhalb antifeministischer Ideologien. Antifeminist*innen äußern sich vielfaltsfeindlich und hetzen dabei oft sowohl gegen BIPoC (Schwarze, Indigene und People of Color) und Migrant*innen, als auch queere Menschen und deren Lebensrealitäten.

 

Beschreibung

Zunächst spricht Prof. Dr. Ilse Lenz, Soziologin über die Notwendigkeit, feministische Öffentlichkeiten wieder aufzubauen. Sie betont die Wichtigkeit der Intersektionalität und stellt unterschiedliche feministische Strömungen vor, auch welche Verbindungen zu anderen Bewegungen es gibt. Welche Probleme stellen sich demnach der breiten feministischen Öffentlichkeit? Für einen handlungsfähigen Feminismus braucht es laut Lenz deshalb intersektionale Analysen, Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit, und strategische Debatten. Am Ende führt Lenz noch aus, wie Solidarität auf unterschiedliche Weise aussehen kann und wieso es "dritte Räume" zur Begegnung braucht. 

Prof. Dr. Ilse Lenz (00:23:13)

Dann spricht Peggy Piesche (bpb) zum Thema. Im Folgenden ein Abstrakt zum Vortrag:

Es lässt sich nur schwer ignorieren: es kriselt in der feministischen Vielfältigkeit. Wenn wir nach (neuen) Wegen solidarischer Zukunftsausrichtungen eines einschließenden Feminismus suchen und ein Wir möglichst breit und mitnehmend gestalten wollen, müssen wir uns Zeit nehmen für eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Feminismen und ihrer jeweiligen Herrschaftsverstrickung. Diese Reflexion kann nur konstruktiv und gelingend sein, wenn sie intersektional vorgeht. D.h. wir müssen beginnen die machtvollen Distinktionen auszusprechen um Alternativen auf der Grundlage dieser Realitätsanerkennung entwickeln zu können. Das Ende des weißen Feminismus, wie wir ihn kennen, kündigt sich schon seit geraumer Zeit an. Gemeint ist ein Feminismus westlicher Couleur, der sich von Beginn an weißen Männern orientiert und sich vor allem als eine intellektuelle – und damit bürgerliche – Bewegung verstanden wissen will. Das Bürgerliche, mit seiner Betonung auf ökonomischer und sozialer Partizipation, ist der schlechteste Garant für grundlegende Veränderung. Die Rassismuskritik Schwarzer feministischer und PoC-feministischer Kollektive ist dagegen intersektional angelegt und verbindet die Kämpfe gegen Armut, Sexualisierung, Gewalt und Gefängnisse mit denen für reproduktive Gerechtigkeit, bessere Arbeitsbedingungen und das Recht auf Mobilität. Antworten auf die globalen Ungleichheitsverhältnisse sind nur so möglich. Vor diesem Hintergrund haben die verschiedenen Feminismen von heute unterschiedliche Ausgangsorte und damit auch unterschiedliche Wege und Aufgaben. Der Beitrag wird sich den Fragen widmen, wie die Räume für Solidarisierungen verschiedener Feminismen aussehen können und wie wir Solidarität für die Zukunft (neu) definieren.

Peggy Piesche (00:23:45)

In einer anschließenden Diskussion tauschen sich die beiden Vortragenden über ihre Inhalte aus und widmen sich Fragen aus dem Publikum. Weiter werden die Konzepte des Universalismus und des "Dritten Raumes" nochmal weiter erläutert. 

Diskussionsteil (00:16:23)

Beschreibung

Im Panel zum Thema der sozialen Frage und Antifeminismus sprach Prof. Annette Henninger (Uni Marburg): "Antifeminismus in Deutschland: Das Liberalisierungs-Paradox". Was ist das Liberalisierungsparadox? Zum einen ist es die Liberalisierung der Einstellung zu den Geschlechtern und zur Gleichstellung, zum anderen erstarken rechte Haltungen.

Wie lässt sich das Ganze erklären? Dazu führt Henninger Thesen auf: Antifeministische Haltungen versprechen eindeutige, festgelegte Identitäten, die im Hinblick auf Unsicherheiten diese vermeintlich beruhigen können. Das führt zu einer De-Thematisierung sozialer Ungleichheiten. Anhand mehrerer Fallstudien untermauert Henninger diese Thesen mit konkreten Ergebnissen. Dabei zeigt sie sechs Bereiche auf, die die Anschlussfähigkeit antifeministischer Diskurse im Mainstream beschreiben: die Ethnisierung von Sexismus, antifeministische Haltungen in der Wissenschaft, Sexualpädagogik, Mutterschaftsdiskurse, die Ehe für alle und politische Leitmedien.

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Beschreibung

Politiker*innen fordern die Rückkehr zur Wehrpflicht, Feuilletonist*innen machen sich lustig über angeblich zu weiche Männer, rechtspopulistische und antifeministische Gruppierungen fordern, die „wahre Männlichkeit“ wieder zu entdecken. Der Krieg gegen die Ukraine reaktiviert traditionelle Rollenstereotype und Ressentiments gegen feministische Politiken. Der Blick auf andere und vielfältige Vorstellungen von Mann-sein und Männlichkeit wird verstellt.

Weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch in den Wissenschaften wird sexualisierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg und Vertreibung eingehender thematisiert. Dieses Phänomen betrachtete und analysierte Dr. Yuriy Nesterko (Universitätsklinikum Leipzig) in einem Vortrag. Er schaute dabei auf internationale bewaffnete Konflikte der vergangenen vier Jahrzehnte zurück. Aus psychologischer Perspektive ging es ihm um die Bedeutung vom Streben nach Überlegenheit, Stärke und Dominanz, das sich in der mann-männlichen sexualisierten Gewalt manifestiert.

Im anschließenden von Simone Schmollack (taz) moderierten Gespräch diskutierten Dr. Yuriy Nesterko, Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer) und Anica Heinlein (CARE). Es wurde – auch unter dem Eindruck der aktuellen Kriegssituation in der Ukraine – der Frage nachgegangen, inwiefern eine feministische (Außen-)Politik zu einer Perspektiverweiterung beitragen kann: Auch Männer* sollten als vulnerable Gruppe gesehen werden können. Vielfältige, nicht traditionelle Männlichkeitsvorstellungen wirken antifeministischen Entwicklungen entgegen.

Mit

  • Dr. Yuriy Nesterko (Universität Leipzig)
  • Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer)
  • Anica Heinlein (CARE)
  • Moderation: Simone Schmollack (taz)