Geschlechtsspezifische Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt ist eine der am weitverbreitetsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Sie richtet sich überproportional gegen Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen (FLINTA*). Die Formen geschlechtsspezifischer Gewalt sind vielfältig und können digitale, psychische, physische Gewalt bis hin zu Mord und Femiziden, aber auch strukturelle Gewalt umfassen. Geschlechtsspezifische Gewalt spielt im Antifeminismus eine große Rolle. Teilweise werden konkrete Gewalttaten aus antifeministischen Netzwerken heraus geplant und durchgeführt, teilweise wird geschlechtsspezifische Gewalt mit antifeministischer Ideologie begründet. 

Geschlechtsspezifische Gewalt bekämpfen mit der Istanbul Konvention - Europagruppe Grüne

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Beschreibung

Die sogenannte "Istanbul Konvention" des Europarates ist die erste rechtsverbindliche und politische internationale Maßnahme zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Hierbei soll ein System zur Hilfe von Betroffenen geschaffen werden und Täter*innen entsprechend bestraft werden. Bis Juli 2020 wurde es von allen EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet und von 21 davon in Kraft gesetzt. Doch der aktuelle antifeministische Backlash greift auch die Instanbul Konvention an, z. B. durch Polens Absicht, aus der Vereinbarung zurückzutreten. Das Webinar beschäftigt sich u. a. mit einer juristischen Perspektive auf die Frage, wie die Instanbul Konvention in Deutschland (seit 01.01.18 in Kraft getreten) tatsächlich erfolgreich umgesetzt wurde, wo Lücken auftauchen, und welche Forderungen gestellt werden sollten. Zudem wird ein aktueller Bezug zur Corona-Pandemie und häuslicher Gewalt gestellt. 

Mit:

  • Terry Reintke, Abgeordnete des Europäischen Parlaments und stellvertretende Fraktionsvorsitzende
  • Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg
  • Inputreflexionen:
    • Schutzkonzepte von häuslicher Gewalt unter COVID: Kristin Fischer, Berliner Initiative Gewalt gegen Frauen
    • Analyse der Umsetzung der Istanbul Konvention in Deutschland: Dr. Leonie Steinl, Deutscher Juristinnenbund
Beschreibung

Politiker*innen fordern die Rückkehr zur Wehrpflicht, Feuilletonist*innen machen sich lustig über angeblich zu weiche Männer, rechtspopulistische und antifeministische Gruppierungen fordern, die „wahre Männlichkeit“ wieder zu entdecken. Der Krieg gegen die Ukraine reaktiviert traditionelle Rollenstereotype und Ressentiments gegen feministische Politiken. Der Blick auf andere und vielfältige Vorstellungen von Mann-sein und Männlichkeit wird verstellt.

Weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch in den Wissenschaften wird sexualisierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg und Vertreibung eingehender thematisiert. Dieses Phänomen betrachtete und analysierte Dr. Yuriy Nesterko (Universitätsklinikum Leipzig) in einem Vortrag. Er schaute dabei auf internationale bewaffnete Konflikte der vergangenen vier Jahrzehnte zurück. Aus psychologischer Perspektive ging es ihm um die Bedeutung vom Streben nach Überlegenheit, Stärke und Dominanz, das sich in der mann-männlichen sexualisierten Gewalt manifestiert.

Im anschließenden von Simone Schmollack (taz) moderierten Gespräch diskutierten Dr. Yuriy Nesterko, Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer) und Anica Heinlein (CARE). Es wurde – auch unter dem Eindruck der aktuellen Kriegssituation in der Ukraine – der Frage nachgegangen, inwiefern eine feministische (Außen-)Politik zu einer Perspektiverweiterung beitragen kann: Auch Männer* sollten als vulnerable Gruppe gesehen werden können. Vielfältige, nicht traditionelle Männlichkeitsvorstellungen wirken antifeministischen Entwicklungen entgegen.

Mit

  • Dr. Yuriy Nesterko (Universität Leipzig)
  • Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer)
  • Anica Heinlein (CARE)
  • Moderation: Simone Schmollack (taz)