Rechtspopulismus

Rechtspopulismus ist ein Kommunikations- und Politikstilmittel. Dabei werden rechtskonservative bis rechtsextreme Inhalte über populistische Kommunikation verbreitet. Populismus kommt vom Begriff ‚populus‘, griechisch für Volk. Wer Populismus als Stilmittel verwendet, versucht in Aussagen immer eine möglichst breite Öffentlichkeit (‚das Volk‘) anzusprechen. Dadurch geht notwendige Differenzierung verloren und politische oder soziale Phänomene werden stark verkürzt und emotionalisierend/polarisierend dargestellt. Antifeministische Akteur*innen bedienen sich rechtspopulistischer Argumentation, wenn z. B. in Parolen gegen Abtreibungen gehetzt wird (‚Abtreibung ist Mord‘) oder trans Frauen fälschlicherweise als Gefahr für cis Frauen stilisiert werden.

Vortrag: Netzwerkkonferenz Haltung zeigen - Heinrich-Böll-Stiftung

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Beschreibung

Im ersten Vortrag des Panels gibt Prof. Ursula Birsl der Uni Marburg einen Blick auf Deutschland, insbesondere Westdeutschland. Dabei definiert sie zunächst den zentralen Fokus von Feminismus, Herrschaft und Emanzipation und nicht Geschlecht. Birsl plädiert dafür, den Antifeminismus als weltanschauliche Gegenbewegung dazu zu verstehen, benennt entsprechende Akteur*innen und geht auch historisch auf Entwicklungen ein. Birsl betont die Rolle der Forschung zur fundamentalistisch-christlichen Rechten und Unterschiede in den Gesellschaftsschichten.

Vortrag Prof. Ursula Birsl (00:35:43) Abstract zum Vortrag

Im zweiten Vortrag spricht Neil Datta (European Parliamentary Forum for Sexual & Reproductive Rights) auf English über Anti-Gender-Mobilisierungen im europäischen Kontext. Datta erklärt die historische Entwicklung dieser Bewegungen: Welche Themen und damit auch Angriffsziele sind hier besonders relevant und warum? Kernthemen sind sexuelle und reproduktive Rechte, LGBTQI-Rechte, Kinderrechte, "Gender" und Gesetze und Politiken rund um Hassrede und Diskriminierung.

Vortrag Neil Datta (00:29:22)

Tagung: Was ist das für 1 Männlichkeit? Input Andreas Kemper - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt

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Beschreibung

Im Rahmen der Tagung "Was ist das für 1 Männlichkeit?" geben Andreas Kemper, Dr. Klemens Ketelhut und Dayana Lau Vorträge zum Thema. 

Trump und die Bundestagswahl Fordistische Männlichkeiten im Postfordismus

Der Vortrag des Soziologen Andreas Kemper geht zunächst auf Probleme der Empirie ein. Verschiedene Studien zum Wahlverhalten und der Alternative für Deutschland (AfD) kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zudem gibt es Interpretationsprobleme bei den Studienergebnissen. Kemper greift deshalb zu Analysemodellen und Begrifflichkeiten der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und baut diese in moderne Forschung ein. Er betont deshalb die Erkenntnisse des Feminismus, die Relevanz von Traumata, und eine genauere Kapitalismusanalyse. Daraufhin erklärt Kemper Habitus-Regime-Konflikte, Postfordismus und wie Männlichkeiten dadurch geprägt wurden. Am Ende geht Kemper auf drei Handlungsansätze ein.

Video 1 "Trump und die Bundestagswahl: Fordistische Männlichkeiten im Postfordismus (00:34:52)

Erstarkender anti feministischer Gegenwind. Eine Bestandsaufnahme

Dr. Klemens Ketelhut spricht zunächst aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive: Ketelhut betont, dass Antifeminismus kein neues Phänomen ist und als Ziel die Verteidigung der patriarchalen Strukturen hat. Es geht um die Männerrechtsbewegung, um Schnittmengen mit dem rechten politischen Spektrum und die Bildungsplan-Debatte.

Dayana Lau blickt auf die Wissenschaft und wie in dem Bereich aus einer antifeministischen Sicht debattiert wird. Es geht um Vorwürfe gegenüber Genderstudies und dem Wissenschaftsverständnis antifeministischer Akteur*innen. Zusammenfassend erklärt Lau, dass Antifeminismus jegliche Liberalisierung der Geschlechternormen zurückweist, und diese Debatten nicht sachlich, sondern polemisch und emotional führt. Antifeminismus pocht auf eine hierarchische Gesellschaftsordnung, wodurch auch Frauen in antifeministischen Kreisen erklärt werden.

Video 2 "Erstarkender anti feministischer Gegenwind. Eine Bestandsaufnahme" (00:30:23)

Beschreibung

Warum Rechtspopulismus und Antifeminismus so gut zusammenpassen

Dr. Floris Biskamp der Uni Tübingen spricht über Wahlplakate der Alternative für Deutschland (AfD) und welche Parteien überhaupt zum Rechtspopulismus zählen. Diese Parteien sind vereint durch Nativismus (auch völkischer Nationalismus), Autoritarismus, und Populismus. Daraufhin erklärt Biskamp, wieso der Rechtspopulismus so gut mit Antifeminismus zusammenpasst. Im Anschluss erläutert er, welche geschlechterpolitischen Positionen von rechtspopulistischen Parteien bezogen werden und wieso. Der ganze Vortrag ist untermalt mit Beispielen aus unterschiedlichen europäischen Ländern.

Video 1 Warum Rechtspopulismus und Antifeminismus so gut zusammenpassen (00:28:31)

Geschlecht als Kampfarena. Autoritäre Tendenzen in Geschlechter- und Familienpolitiken

Danach sprach Juliane Lang der Uni Marburg. Auszug aus dem Abstract zum Vortrag:

"Im Vortrag gehe ich dem komplexen Wechselspiel zwischen autoritären Einstellungen der Einzelnen und autoritären Dynamiken moderner Gesellschaften nach und befrage die beiden MitteStudien (Decker et al 2018; Zick et al 2019) nach Erklärungsmodellen. An Fallbeispielen lässt sich aufzeigen, wie auf Politiken der Diversifizierung von Lebensweisen wiederum rechts-autoritäre Gegenmobilisierungen folgen: so provozierte die jahrelange Debatte um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften jahrelangen lautstarken Gegenwind – auch wenn an ihrer letztlichen Verabschiedung im Sommer 2017 nun nicht mehr zu rütteln ist."

Video 2 Geschlecht als Kampfarena. Autoritäre Tendenzen in Geschlechter- und Familienpolitiken (00:44:36)