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Wissenschaftsfeindlichkeit

Wissenschaftsfeindlichkeit (auch Antiintellektualismus) ist die Ablehnung oder Feindseligkeit gegenüber wissenschaftlichen Methoden, Ergebnissen, Institutionen und deren Repräsentant*innen. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Angriffen auf Disziplinen wie kritische Antisemitismusforschung oder critical race studies. Seitens antifeministischer Akteur*innen (hauptsächlich aus der Anti-Gender-Bewegung) werden regelmäßig Geschlechterforschungsprogramme oder Gender Studies Institute attackiert. Der Vorwurf ist stets der gleiche: Die Forschungsdisziplinen seien ideologisch gefärbt und unwissenschaftlich. Die vermeintlichen Beweise, die dafür angeführt werden, gehen allerdings nicht auf die Wissenschaftlichkeit der Forschungsdesigns ein, sondern lassen vermuten, selbst ideologisch motiviert zu sein – häufig aus einer heteronormativistischen und rechtskonservativen bis -extremen Ideologie heraus.

Raw Milk, Trainieren & Testo?! Die antifeministische "Rohkost-Pipeline" - Pinke Pille - Der Antifeminismus-Monitor

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Beschreibung

Der Videopodcast Pinke Pille – der Antifeminismus-Monitor nimmt verschiedene antifeministische Ideologien unter die Lupe, analysiert antifeministische Online-Inhalte und ordnet diese kritisch ein.

Instagram, TikTok und Co. sind voll von Videos, Tipps und Anleitungen zu Ernährung, Fitness und Lifestyle. Doch der auf den ersten Blick oft harmlos wirkende Content kann zu Influencern und Inhalten führen, die sexistisch, misogyn und antifeministisch sind und problematische Bilder von Männlichkeit propagieren. Diese Inhalte können manchmal auch als Brücke zum Rechtsextremismus fungieren.

Der Videopodcast untersucht eine Gruppe von Influencern, die sogenannte „Rohgang“, die einen bestimmten Lifestyle medial inszenieren: Das Essen muss unverarbeitet und roh sein, der Körper muss trainiert werden. In kurzen Clips wird früh am Morgen Sport gemacht, Rohmilch getrunken oder rohes Fleisch gegessen und die vermeintlichen gesundheitlichen Vorteile dieser Ernährung gepriesen. Unterschlagen werden dabei die medizinischen Risiken, etwa durch mögliche Krankheitserreger in Rohmilch.

Die Folge zeigt, wie sich dieser Lifestyle in ein gesamtes Weltbild übersetzt. Sie behaupten, dass die moderne Gesellschaft verweichlicht sei, Männer ihre Männlichkeit verloren hätten und Frauen  zunehmend „männliche“ Rollen einnehmen würden. Die Lösung: Man(n) müsse aus der sogenannten „Matrix“ erwachen, aufhören, der Wissenschaft zu vertrauen und sich dem gesellschaftlichen „System der Lügen“ entziehen. Stattdessen sollen Männer durch Ernährung, Sport und Disziplin ihre Männlichkeit zurückgewinnen und an einer gesellschaftlichen Ordnung festhalten, in der Männer und Frauen aufgrund ihrer – angeblich natürlichen - unterschiedlichen Eigenschaften verschiedene Rollen einnehmen. Hier zeigen sich Überschneidungen mit esoterischen und verschwörungsideologischen Inhalten sowie dem „Red Pill“-Content der Manosphere. Die Metapher der roten Pille geht auf den Film „die Matrix“ zurück, in dem der Protagonist eine rote Pille nimmt und anschließend fähig ist, die Wahrheit zu erkennen. Bei der Rohgang oder den sogenannten "red pillern" ist diese Wahrheit allerdings antifeministisch umgedeutet.

Darüber hinaus zeigt der Videopodcast, dass die Inhalte der Rohgang eine Pipeline zu rechtsextremen Inhalten und Akteur*innen bieten können. Körperliche Ertüchtigung, cleane (unverarbeitete) Ernährung, Testosteron, reaktionäre Geschlechterbilder und der Wunsch nach einer starken und soldatischen Männlichkeit sind in der extremen Rechten stark anschlussfähig. So können Menschen auf Social Media von vermeintlich harmlosen Lifestyleinhalten wie Sport und Ernährung über den Algorithmus zu sexistischen, antifeministischen und im Extremfall sogar rechtsextremen Inhalten gelangen.

Im Videopodcast wird Lino Köhler von Dissens interviewt. Lino Köhler arbeitet mit männlichen Jugendlichen und gibt Workshops zum Thema maskulinistische Influencer. Im Interview geht es darum, was solche Influencer für junge Männer attraktiv macht, wie junge Männer ihre Vorstellungen von Männlichkeit kritisch reflektieren können und wie man mit ihnen über diese Inhalte ins Gespräch kommt. 

Zur Folge

 

Tagung: Was ist das für 1 Männlichkeit? Input Andreas Kemper - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt

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Beschreibung

Im Rahmen der Tagung "Was ist das für 1 Männlichkeit?" geben Andreas Kemper, Dr. Klemens Ketelhut und Dayana Lau Vorträge zum Thema. 

Trump und die Bundestagswahl Fordistische Männlichkeiten im Postfordismus

Der Vortrag des Soziologen Andreas Kemper geht zunächst auf Probleme der Empirie ein. Verschiedene Studien zum Wahlverhalten und der Alternative für Deutschland (AfD) kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zudem gibt es Interpretationsprobleme bei den Studienergebnissen. Kemper greift deshalb zu Analysemodellen und Begrifflichkeiten der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und baut diese in moderne Forschung ein. Er betont deshalb die Erkenntnisse des Feminismus, die Relevanz von Traumata, und eine genauere Kapitalismusanalyse. Daraufhin erklärt Kemper Habitus-Regime-Konflikte, Postfordismus und wie Männlichkeiten dadurch geprägt wurden. Am Ende geht Kemper auf drei Handlungsansätze ein.

Video 1 "Trump und die Bundestagswahl: Fordistische Männlichkeiten im Postfordismus (00:34:52)

Erstarkender anti feministischer Gegenwind. Eine Bestandsaufnahme

Dr. Klemens Ketelhut spricht zunächst aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive: Ketelhut betont, dass Antifeminismus kein neues Phänomen ist und als Ziel die Verteidigung der patriarchalen Strukturen hat. Es geht um die Männerrechtsbewegung, um Schnittmengen mit dem rechten politischen Spektrum und die Bildungsplan-Debatte.

Dayana Lau blickt auf die Wissenschaft und wie in dem Bereich aus einer antifeministischen Sicht debattiert wird. Es geht um Vorwürfe gegenüber Genderstudies und dem Wissenschaftsverständnis antifeministischer Akteur*innen. Zusammenfassend erklärt Lau, dass Antifeminismus jegliche Liberalisierung der Geschlechternormen zurückweist, und diese Debatten nicht sachlich, sondern polemisch und emotional führt. Antifeminismus pocht auf eine hierarchische Gesellschaftsordnung, wodurch auch Frauen in antifeministischen Kreisen erklärt werden.

Video 2 "Erstarkender anti feministischer Gegenwind. Eine Bestandsaufnahme" (00:30:23)

Beschreibung

Im Panel zum Thema der sozialen Frage und Antifeminismus sprach Prof. Annette Henninger (Uni Marburg): "Antifeminismus in Deutschland: Das Liberalisierungs-Paradox". Was ist das Liberalisierungsparadox? Zum einen ist es die Liberalisierung der Einstellung zu den Geschlechtern und zur Gleichstellung, zum anderen erstarken rechte Haltungen.

Wie lässt sich das Ganze erklären? Dazu führt Henninger Thesen auf: Antifeministische Haltungen versprechen eindeutige, festgelegte Identitäten, die im Hinblick auf Unsicherheiten diese vermeintlich beruhigen können. Das führt zu einer De-Thematisierung sozialer Ungleichheiten. Anhand mehrerer Fallstudien untermauert Henninger diese Thesen mit konkreten Ergebnissen. Dabei zeigt sie sechs Bereiche auf, die die Anschlussfähigkeit antifeministischer Diskurse im Mainstream beschreiben: die Ethnisierung von Sexismus, antifeministische Haltungen in der Wissenschaft, Sexualpädagogik, Mutterschaftsdiskurse, die Ehe für alle und politische Leitmedien.

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