Broschüre

(R)echte Männer und Frauen - Analysen zu Geschlecht und Rechtsextremismus

Vorstellungen von Familie, Geschlecht und Gender stehen in der extremen Rechten im Mittelpunkt eines gewaltsamen Kampfes um gesellschaftliche und kulturelle Hegemonie, ein Europaübergreifendes Phänomen und eine bewusste Strategie. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Frauen zu, deren Rolle in der extremen Rechten über Jahre unterschätzt wurde und deren Aufgaben sich innerhalb der Szene deutlich ausdifferenziert haben: Sie fungieren als harmlos wirkende Brückenbauerinnen in die sogenannte Mitte der Gesellschaft, als hippe Influencerinnen mit Anschlüssen zu jungen Menschen und als Hüterinnen vermeintlich zentraler Werte des „Volkes“.

Die 2024 erschiene Broschüre der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus, der Amadeu Antonio Stiftung, versammelt Analysen dieser unterschiedlichen Frauenrollen, gibt Einblicke in die Instrumentalisierung geschlechter- und familienpolitischer Fragen durch die extreme Rechte, skizziert und analysiert deren raffinierte Social-Media-Strategien und beleuchtet nicht zuletzt auch die Bedeutung von Männlichkeiten sowie deren Inszenierung in der Szene.

Geschlecht und Geschlechterverhältnisse sind zentrale Bestandteile rechtsextremer Ideologien. Die Vorstellung einer homogenen „Volksgemeinschaft“ basiert auf einer binären, biologisierten Geschlechterordnung, die Männern und Frauen vermeintlich natürliche, unveränderliche Eigenschaften und gesellschaftliche Funktionen zuschreibt. Heteronormative Beziehungen und eine weiße, kinderreiche Familie gelten dabei als gesellschaftliches Ideal. 

Die Bedeutung von Frauen in der extremen Rechten wurde lange unterschätzt. Obwohl sie in Parteien und Organisationen häufig in der Minderheit sind, übernehmen sie vielfältige Funktionen, von Politikerin über Influencerin bis zur politischen Aktivistin auf rechten Demonstrationen. Die Frauen gesellschaftlich zugeschriebenen Wesenszüge wie Friedfertigkeit und Sanftmut ermöglicht rechtsextremen Frauen eine strategische Selbstverharmlosung: Als fürsorgliche Mütter oder scheinbar harmlose Akteurinnen können sie menschenfeindliche Ideologien verbreiten und deren Anschlussfähigkeit erhöhen. Häufig werden dabei auch feministische Anliegen und vermeintliche Frauenrechte aufgegriffen, dabei jedoch häufig rassistisch oder transfeindlich umgedeutet.

Geschlechterbilder dienen der extremen Rechten zugleich als Brücke in die gesellschaftliche Mitte. Traditionelle Rollenverständnisse knüpfen an verbreitete patriarchale Vorstellungen an und werden emotional aufgeladen, indem eine angebliche Bedrohung von Geschlecht, Familie und gesellschaftlicher Ordnung konstruiert wird. Antifeminismus verbindet sich dabei mit Rassismus, Antisemitismus und weiteren Ungleichheitsideologien. Antifeminismus wirkt dabei als Brückenideologie und kann Menschen durch die Abwertung von allem „weiblichen“ an rechte und menschenfeindliche Weltbilder heranführen.

Besonders deutlich wird dies, wenn rechtsextreme Akteurinnen sexualisierte Gewalt oder den Schutz von Frauen und Kindern thematisieren, um rassistische Feindbilder zu bedienen. Gleichzeitig werden Männer als Beschützer der eigenen Frauen und der „Volksgemeinschaft“ adressiert. Vorstellungen von Wehrhaftigkeit, Überlegenheit und soldatischer Männlichkeit knüpfen an gesellschaftlich verbreitete Geschlechterstereotype an und werden politisch instrumentalisiert.

Die Auseinandersetzung mit Geschlecht ist damit kein Nebenschauplatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil rechtsextremer Mobilisierung. Eine geschlechterreflektierte Analyse muss deshalb sowohl die unterschiedlichen Rollen von Frauen als auch die Konstruktion und politische Funktion von Männlichkeit berücksichtigen.

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Bemerkungen

Quellen 

Didaktische Hinweise

Grundlagen und weiterführende Literatur zur Rolle von rechtsextremen Frauen und Geschlecht im Rechtsextremismus finden Sie in: