Publikation

Triumph der Frauen? Rechtsextreme Spitzenpolitikerinnen in Italien, Frankreich und Deutschland.

Die 2025 erschienene Publikation ist der 8. von insgesamt 10 Bänden mit dem Fokus auf Frauen im internationalen Rechtsextremismus. Die Studie von Ursula Bitzegeio und Cécile Calla untersucht die politischen Karrieren und Kommunikationsstrategien von Giorgia Meloni (Italien), Marine Le Pen (Frankreich) und Alice Weidel (Deutschland). Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb Frauen zunehmend Führungspositionen in rechtspopulistischen bzw. rechtsextremen Parteien einnehmen und inwiefern ihre weibliche Inszenierung zur politischen Mobilisierung beiträgt. Die Autorinnen verbinden eine politbiografische Betrachtung mit einer vergleichenden „Charisma-Analyse“. Dabei untersuchen sie insbesondere die politische Kommunikation, Selbstinszenierung sowie geschlechter- und familienpolitischen Positionen der drei Politikerinnen.

Ausgangspunkt der Studie ist die Beobachtung, dass der Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, als überwiegend männliche Phänomene betrachtet wurden. Die Autorinnen stellen dem die zunehmende Bedeutung weiblicher Wählerinnen rechtsextremer Parteien und weiblicher Führungspersonen in rechtsextremen Parteien gegenüber. Sie identifizieren bei Meloni, Le Pen und Weidel einen neuen Typus rechtsextremer Politikerinnen. Frauen, die ein professionelles, modernes und medienwirksames Auftreten verbinden mit nationalistischen, rassistischen und antifeministischen Positionen. Ihre politische Wirkung entstehe unter anderem durch die Verbindung von persönlicher Authentizität, medialer Präsenz und einer gezielten Ansprache an weibliche Wählerinnen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die These, dass die drei Politikerinnen rechte Geschlechtervorstellungen mit dem Anspruch individueller weiblicher Leistungsfähigkeit verbinden. Die Autorinnen beschreiben einen neuen Typus des rechten Frauenbildes, bei dem Frauen durchaus Führungspositionen einnehmen können, sofern sie sich als besonders leistungsfähig und erfolgreich erweisen. Gleichzeitig bleibe ein rückwärtsgewandtes Familienbild bestehen. Emanzipation werde somit eher individualisiert verstanden: Wer erfolgreich sei, könne gesellschaftlich aufsteigen; strukturelle Benachteiligungen von Frauen würden dagegen weniger thematisiert.

Die drei Fallbeispiele weisen dabei unterschiedliche Ausprägungen auf. Giorgia Meloni wird insbesondere im Zusammenhang mit ihrer politischen Sozialisation im italienischen Postfaschismus und ihrer Entwicklung von der Jugendorganisation des Movimento Sociale Italiano bis zur Ministerpräsidentin betrachtet. Die Autorinnen betonen dabei sowohl ihre Fähigkeit zur politischen Anpassung an breitere Wähler*innenschichten als auch die Kontinuitäten zu traditionellen rechten und rechtsextremen politischen Milieus.

Bei Marine Le Pen steht dagegen die sogenannte „Entdämonisierung“ des Rassemblement National im Vordergrund. Die Autorinnen beschreiben, wie Le Pen sich seit der Übernahme des Parteivorsitzes von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen um eine gesellschaftliche Normalisierung der Partei bemüht habe. Besonders relevant sei dabei die Verbindung von Frauenrechten und migrationspolitischen Forderungen, welche rassistisch aufgeladen werden. Die Studie bezeichnet dies als „Femonationalismus“: Frauenrechte werden demnach genutzt, um einen migrations- und islamkritischen politischen Diskurs zu begründen. Ein Begriff, den die italienische Soziologin Sara R. Farris geprägt hat.

Für Alice Weidel stellt die Studie fest, dass ihre politische Bedeutung innerhalb der AfD deutlich gestiegen ist, sie jedoch zum Untersuchungszeitpunkt noch nicht über eine vergleichbare Machtposition wie Meloni oder Le Pen verfügte. Weidel verbinde ein bürgerlich-professionelles Auftreten mit deutlich migrations- und gesellschaftspolitisch rechten Positionen. Die Autorinnen sehen bei ihr ebenfalls eine Spannung zwischen persönlicher Lebensführung und dem von der AfD vertretenen traditionellen Familien- und Geschlechterbild.

Eine besondere Stärke der Studie liegt im ländervergleichenden und geschlechterpolitischen Blickwinkel. Sie macht deutlich, dass Frauen an der Spitze rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien nicht lediglich eine Ausnahmeerscheinung darstellen, sondern neue Formen politischer Kommunikation und Selbstinszenierung hervorbringen können. Besonders nachvollziehbar ist die Analyse der sozialen Medien: Die Autorinnen zeigen, wie politische Botschaften mit persönlichen Bildern, Lifestyle-Elementen und emotionaler Kommunikation verbunden werden. Dadurch können politische Inhalte stärker über die Person der Politikerin vermittelt werden.

Die Studie wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen der Reihe Triumph der Frauen? herausgegeben und gibt neben der Analyse ausdrücklich auch die Empfehlung, Strategien gegen antifeministische und rechtsextreme Politik zu diskutieren. Die Autorinnen gelangen nicht nur zu einer deskriptiven Analyse, sondern formulieren am Ende hilfreiche und konkrete politische Handlungsempfehlungen, unter anderem zur Stärkung demokratischer Institutionen, unabhängiger Medien, politischer Bildung und geschlechtergerechter Politik.

Zur Studie

 

Didaktische Hinweise

Die Studie eignet sich sowohl für politisch Interessierte, als auch für Studierende und bietet einen guten und geschlechterpolitischen Überblick auf die Rolle von Frauen an der Spitze rechter und rechtsextremer Parteien.

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