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Sexualisierte Gewalt

Ein sexualisierter Gewaltakt liegt dann vor, wenn gegen den Willen von Personen ihnen gegenüber sexualisierte Handlungen ausgeübt werden und damit ihr Menschenrecht auf Selbstbestimmung verletzt wird. Sexualisierte Gewalt kann dabei als verbale Gewalt (z. B. sexualisierte Beleidigungen, Anmachsprüche), physische Gewalt (z. B. körperliche Übergriffe und Missbrauch) und digitale Gewalt (z. B. Dickpics, Revenge Porn) auftreten. Mädchen, Frauen und TIN-Personen (trans*, inter*, nicht-binäre Personen) sind von dieser Gewaltform häufig betroffen. Gleichzeitig ist sexualisierte Gewalt gegen Jungen und Männer ein stark tabuisiertes Thema. Antifeministische Angriffe können oft in Form von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt auftauchen. Zugleich dient das Thema oft zur gezielten Ablenkung, um z. B. migrantische Männer als Gewalttäter rassistisch zu verallgemeinern.

Beschreibung

Politiker*innen fordern die Rückkehr zur Wehrpflicht, Feuilletonist*innen machen sich lustig über angeblich zu weiche Männer, rechtspopulistische und antifeministische Gruppierungen fordern, die „wahre Männlichkeit“ wieder zu entdecken. Der Krieg gegen die Ukraine reaktiviert traditionelle Rollenstereotype und Ressentiments gegen feministische Politiken. Der Blick auf andere und vielfältige Vorstellungen von Mann-sein und Männlichkeit wird verstellt.

Weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch in den Wissenschaften wird sexualisierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg und Vertreibung eingehender thematisiert. Dieses Phänomen betrachtete und analysierte Dr. Yuriy Nesterko (Universitätsklinikum Leipzig) in einem Vortrag. Er schaute dabei auf internationale bewaffnete Konflikte der vergangenen vier Jahrzehnte zurück. Aus psychologischer Perspektive ging es ihm um die Bedeutung vom Streben nach Überlegenheit, Stärke und Dominanz, das sich in der mann-männlichen sexualisierten Gewalt manifestiert.

Im anschließenden von Simone Schmollack (taz) moderierten Gespräch diskutierten Dr. Yuriy Nesterko, Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer) und Anica Heinlein (CARE). Es wurde – auch unter dem Eindruck der aktuellen Kriegssituation in der Ukraine – der Frage nachgegangen, inwiefern eine feministische (Außen-)Politik zu einer Perspektiverweiterung beitragen kann: Auch Männer* sollten als vulnerable Gruppe gesehen werden können. Vielfältige, nicht traditionelle Männlichkeitsvorstellungen wirken antifeministischen Entwicklungen entgegen.

Mit

  • Dr. Yuriy Nesterko (Universität Leipzig)
  • Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer)
  • Anica Heinlein (CARE)
  • Moderation: Simone Schmollack (taz)